Ich hatte das Glück und konnte über unsere Freunde vom Fanclub Red Stars Attenhausen zwei Karten für Dortmund-Bayern kaufen. Nach einem langen hin und her kam es so raus, dass Andi Kast und ich in den Ruhrpott fahren werden. Da das Spiel glücklicherweise grad auf Ostern fiel, haben wir uns dann entschlossen über das lange Osternwochenende in NRW zu verweilen.

Am Karfreitag ging’s dann frühmorgens los. Andi und ich trafen uns in Romanshorn um von dort aus mit der Fähre das „Schwäbische Meer“ zu überqueren. Von Friedrichshafen fuhren wir dann mit einem Regionalexpress weiter nach Ulm. Dort hatten wir etwas mehr als eine Stunde pause, denn der ICE auf welchen wir Anschluss gehabt hätten, war restlos ausgebucht. Also schlenderten wir zum Ulmer Münster und gingen dort auch noch rein. Wir beteten noch für die Kameraden der Württembergischen Division die von 1939 – 1945 gefallen sind (die haben dort eine eigene Gedenkstätte im Münster). Danach assen wir in einem Restaurant an der Frühjahrssonne schwäbische Maultaschen, um uns für die bevorstehende Weiterfahrt noch etwas zu stärken. Im InterCity „Allgäu“ fuhren wir dann ohne Umsteigen nach Düsseldorf. Kaum waren wir im Zug kam auch schon der BGS mit zwei Drogensuchhunden in den Zug. Aber die Hunde würdigten uns nicht mal eines Blickes… Logisch, mit Drogen haben wir ja auch nichts am Hut! Aber die Beamten wunderten sich dafür, dass schon Bayernfans unterwegs waren. Nach einem Kurzen Smalltalk mit uns verliessen sie den Zug auch schon wieder und die Fahrt konnte losgehen… In Stuttgart füllte sich der Zug dann langsam. Als dann endlich auch mal die Minibar in unserem Wagen vorbeikam, kaufte ich mir ein gepflegtes Radeberger Pilschen, welches ich auf der wunderschönen Fahrt auch genoss! Die Reise ging über Mannheim – Mainz – Koblenz – Bonn – Köln nach Düsseldorf. Alleine das Teilstück am Rhein entlang zwischen Mainz und Bonn ist eine Reise wert! Lauter kleine Ortschaften direkt am Rheinufer und oberhalb lauter kleine Schlösser und Burgen. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch! Als wir dann in Düsseldorf angekommen sind, suchten wir erstmals unser Hotel, welches wir auch relativ schnell gefunden haben. Nachdem wir uns etwas frisch gemacht haben, gingen wir, mit Fotokameras bewaffnet ans Rheinufer und versuchten die Abendstimmung noch etwas einzufangen. Das Wetter war ja wirklich traumhaft! Nach dem ersten Alt am Rhein und einem kleinen Imbiss gingen wir dann in die Altstadt und suchten dort die Kiste auf. Das ist jene Kneipe, in der sich jeweils die Bayernfans treffen. Und tatsächlich füllte sich die Kiste nach und nach mit Bayern… Da aber am Karfreitag absolutes Musikverbot herrschte, kam irgendwie nicht so die Stimmung auf. Wir genossen aber doch noch das eine oder andere Weissbier, ehe wir uns dann wieder auf zum Hotel machten.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel zogen wir noch etwas durch die Einkaufsstrassen Düsseldorfs, da wir auf keinen Fall zu früh in Dortmund sein wollten (wer ist schon gerne länger als nötig dort!). So um ein Uhr fuhren wir dann aber doch mit dem Zug in den Ruhrpott. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde. Natürlich waren wir in diesem RegionalExpress die einzigen Bayernfans! Sonst war alles nur Gelb-Schwarz. Deshalb mussten wir auch einige Sprüche über Uli Hoeneß und Oli Kahn über uns ergehen lassen. Aber damit war ja zu rechnen. In der U-Bahn in Dortmund waren dann aber zum Glück doch einige Rot-Weisse zu sehen. Vor dem Stadion konnten wir noch mit jemandem unsere Sitzplatzkarten in Steh umtauschen. Was mir grad recht war, denn bei einem Fussballspiel kann ich einfach nicht sitzen… Als wir dann unseren Platz – direkt hinter dem Tor – eingenommen hatten, begann das lange warten auf den Anpfiff. Vor dem Spiel wurden die Dortmundfans noch als die „besten“ Fans der Bundesliga ausgezeichnet… na ja, jedem das Seine. Als das Spiel dann endlich begann, war die Spannung erst gross. Wird es wieder so ein „Hass-Duell“ wie in den letzten Jahren? Diese Spannung legte sich dann aber bald, denn das Spiel war alles andere als aufgeheizt – eher einschläfernd. Von beiden Seiten war nicht viel gutes zu sehen. Dies wirkte sich dann auch etwas auf die Stimmung im Stadion aus. In der Pause war man sich einig – das gibt ein 0:0. Ein typischeres 0:0-Spiel gibt es wohl nicht. Aber leider pfiff Ref Merk in der 61. ein Handspiel von N. Kovac im Strafraum, was einen 11er bedeutete. Zu Recht, wie man im Nachhinein fairerweise zugeben muss. Amoroso verwandelte diesen dann auch zum 1:0. Danach standen die Gelben natürlich noch noch hinten drin und es wurde schwer, noch was am Spielstand zu ändern. Und so endete das typische 0:0-Spiel mit 1:0. Sicher unglücklich für uns! Nach dem Spiel fuhren wir mit dem Bus der Attenhausener zurück in die Düsseldorfer Altstadt auch Franky war dort mit von der Partie. In der NRW-Hauptstadt gings gradewegs in die Kiste – nicht mal mehr ans essen haben wir gedacht! Nachdem wir unseren Frust mit den ersten paar Altbierchen (mit Betonung auf BierCHEN, denn die sind ja nur 0,2l) heruntergespült hatten, kommte dann auch schnell Stimmung auf. Der DJ hatte da natürlich auch noch seines dazu beigetragen. Schon bald stand auch schon ein 10l-Fass Alt auf unserem Tisch – um nicht immer nachbestellen zu müssen!

Am nächsten Morgen fuhren wir dann nach Köln. Wenn man in Köln aus dem Hauptbahnhof geht, steht man grad schon direkt vor dem Dom – und man ist von diesem monumentalen Bau schon etwas beeindruckt. Leider war drin noch der Ostergottesdienst im Gange, weshalb wir die Kirche von innen nicht richtig besichtigen konnten. Nachdem wir den Dom aber aussen von jeder Seite abgelichtet hatten, gingen wir auch dort ans Rheinufer. Wir liessen uns dann dort sofort in einer schönen Gartenkneipe nieder. Der Kellner begrüsste uns mit den Worten: „Na, zwei Kölsch bei dieser Hitze?“ Selbstverständlich konnten wir dem nicht wiederstehen. Wir amüsierten uns dann auch über die Getränkekarte dieser Knepie. Dort standen Sätze drin wie: „Altbier – niemals“ oder „Alt – 50km weiter nördlich“. Aber wir wollten ja auch kein Alt, davon hatten wir ja am vorabend schon genug – also genossen wir unser Kölsch. Danach schlenderten wir noch etwas der Rheinpromenade entlang und entdeckten plötzlich das „Deutsche Sport – und Olympiamuseum“. Wir entschlossen, da mal einen Blick rein zu werfen. War auch durchaus lohnenswert. Gezeigt wird die Geschichte des Sportes und einige Pokale und Medaillen (darunter auch die Meisterschale, den DFB-Pokal und den UEFA-Pokal). Nach unserem Museumsbesuch gingen wir etwas durch die Einkaufsgassen Kölns, obschon die Läden ja geschlossen hatten. Irgendwann waren unsere Füsse dann so schwer wie Blei, und wir mussten uns wiedermal in einem Strassencafe setzen. Wir diskutierten dort, was wir weiter machen sollten. Es standen ja noch die beiden Sonntagsspiele der Bundesliga an – und beide fanden in unserer Nähe statt: Leverkusen-Schalke und Bochum-Stuttgart. Gerade letztes wär natürlich aus unserer Sicht sehr spannend gewesen. Aber wir waren leider schon etwas spät dran, so dass wir nicht mehr rechtzeitig zu Spielbeginn nach Bochum hätten gelangen können. Also fuhren wir nach Leverkusen – von Köln aus ja nur ein Katzensprung. Wie wir befürchtet hatten war das Spiel aber ausverkauft und auch auf dem Schwarzmarkt war nichts mehr zu kriegen. Also machten wir halt von aussen einige Fotos von der BayArena. Besonders gewundert haben wir uns, dass sich im Stadion ein McDonalds inkl. McDrive befand. Passt doch irrgendwie nicht in ein Fussballstadion, oder? Unverrichteter Dinge verliessen wir Leverkusen dann wieder. So gingen wir wieder ins Hotel und schauten uns die beiden Spiele halt bei RAN an. Wir freuten uns, dass Stuttgart verloren hatte und wir so immer noch 11 Punkte Vorsprung haben. Jetzt können wir theoretisch sogar schon am nächsten Samstag in Wolfsburg Meister werden. Aus eigener Kraft aber frühstens in zwei Wochen zuhause gegen Kaiserslautern. Am Abend gingen wir als abschied nochmals in die Kiste – um zusammen mit den Angestellten dort, die Geschehnisse vom Vorabend nochmals etwas aufzufrischen und die Erinnerungen zu komplettisieren.

Um halb zwölf fuhr unser Zug zurück nach Ulm. Diesmal war es ein ICE. Auch dieser war wieder rappelvoll! Aber zum Glück hatten wir ja unsere reservierten Plätze. Man merkte schon, dass die Reise mit dem ICE etwas zügiger voranging. Mit bis zu 300 km/h düsten wir über Köln, Frankfurt Flughafen, Mannheim, Stuttgart nach Ulm. Von dort gings dann direkt weiter Richtung Bodensee, wo wir dann mit der Fähre wieder zurück in die Schweiz fuhren. Trotz des schlechten Spiels in Dortmund und einer Niederlage noch dazu, war die NRW-Tour doch eine gelungene Sache! Die Feste in Düsseldorf sind einfach unvergesslich – und Düsseldorf und Köln sind wirklich zwei schöne Rhein-Städte mit je einer eigenen Bierkultur. Welche Stadt jedoch schöner oder besser ist oder das bessere Bier hat, darüber wollen wir nicht urteilen. Diese Diskussion überlassen wir gerne den Rheinländern selbst…

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